Warum Studieren nur das halbe Leben ist „Praktikumsbericht” von Adrian Glaz

Mein Name ist Adri­an Glaz und im Rah­men mei­nes Stu­di­ums füh­re ich gera­de ein Prak­ti­kum bei Cars­ten Löcker durch. Mir war schnell klar, dass es Rich­tung Land­tag gehen soll­te. Zum einen hat­te ich bereits viel posi­ti­ves von Freun­den gehört, zum ande­ren woll­te ich tes­ten, wie sehr sich die Pra­xis von der tro­cke­nen Theo­rie der Poli­tik­wis­sen­schaft unter­schei­det, indem ich live dabei sein kann wie Par­la­men­ta­ris­mus funk­tio­niert.

Dabei wur­de ich alles ande­re als ent­täuscht. In den bis­her vier Wochen konn­te ich vie­le Facet­ten der Abge­ord­ne­ten­ar­beit erle­ben, die auch viel wei­ter rei­chen als nur der Land­tag. Zwar war ein bedeu­ten­der Teil des Prak­ti­kums in Düs­sel­dorf, doch bestand auch ein grö­ße­rer Teil in den Wahl­kreis­bü­ros in Her­ten und Marl. Hier dach­te ich, dass die Haupt­auf­ga­be der Büros sei, den Draht der Bür­ger auf­recht zu erhal­ten. Aller­dings hat­te ich den Ein­druck, dass die orga­ni­sa­to­ri­sche Arbeit der Mit­ar­bei­ter hier viel wich­ti­ger sei. Hier­bei soll die Arbeit des Abge­ord­ne­ten erleich­tert wer­den. Ich durf­te aktiv mit­hel­fen, indem ich unter ande­rem eine Ple­nar­re­de und ein Posi­ti­ons­pa­pier für Cars­ten schrieb. Zwar wird wegen mei­ner man­geln­den Erfah­rung oft­mals noch viel bear­bei­tet, doch das Gefühl, dass die Tex­te dann tat­säch­lich ver­wen­det wer­den ist schon toll.

Im Land­tag hin­ge­gen beglei­te ich vor allem Cars­ten Löcker zu sei­nen Ver­an­stal­tun­gen. Dazu zäh­len die Frak­ti­ons­sit­zun­gen, Aus­schüs­se oder auch mal ein Arbeits­kreis. Hier kann ich genau sehen wie die Pro­zes­se ablau­fen. Die­se Erfah­rung zeigt mir wie­der ein­mal, dass es in der Pra­xis oft anders läuft als in den Lehr­bü­chern aus der Uni. Zwar stimmt es, dass in Frak­ti­ons­sit­zun­gen die Posi­tio­nen der Frak­ti­on koor­di­niert wer­den, aber dass dort intern auch teil­wei­se ziem­lich inten­si­ve Debat­ten aus­ge­tra­gen wer­den, war mir neu. Mein beson­de­res High­light waren die Aus­schüs­se. Hier bera­ten die Poli­ti­ker aller Frak­tio­nen in klei­nem Kreis ohne gro­ße Öffent­lich­keit über die Anträ­ge. Das ist des­we­gen inter­es­sant, da durch das ande­re Arbeits­kli­ma die Gesprä­che meis­tens viel diplo­ma­ti­scher wer­den. Sehr oft fin­den die Frak­tio­nen Schnitt­stel­len in den Anträ­gen und koope­rie­ren mit­ein­an­der, was im Ple­num oft unvor­stell­bar wäre.

Außer­halb des Land­tags und den Wahl­kreis­bü­ros müs­sen Abge­ord­ne­te auch vie­le Ter­mi­ne durch ganz NRW wahr­neh­men. Da Cars­ten pri­mär Exper­te für Umwelt- und Ver­kehrs­po­li­tik ist, konn­te ich ihn zum Bei­spiel zu einem Schwei­ne­hof in Moers oder auch zu Stra­ßen NRW in Bochum beglei­ten. Sol­che Besu­che haben natür­lich häu­fig poli­ti­sche Grün­de, um für Auf­merk­sam­keit oder Bür­ger­nä­he zu sor­gen, aber oft­mals brau­chen Abge­ord­ne­te auch Exper­ti­se von außer­halb. Wie vie­le Ter­mi­ne doch ein Abge­ord­ne­ter hat, habe ich, trotz mei­ner hohen Erwar­tung, deut­lich unter­schätzt. Und obwohl der Ter­min­ka­len­der voll ist, gibt es trotz­dem noch genug Ver­an­stal­tun­gen, die aus Zeit­grün­den nicht wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen.

Die­se gan­zen Unter­schie­de zu dem All­tags­wis­sen aus den Lehr­bü­chern sind schon Grund genug, war­um ich jedem Poli­tik­wis­sen­schaft­ler die­ses Prak­ti­kum wei­ter­emp­feh­len kann. Ich will zu guter Letzt noch ein­mal Cars­ten und sei­nem Team mei­nen Dank aus­spre­chen: alle sind sehr hilf­reich und haben sich für jede Fra­ge, die ich hat­te, aus­gie­big Zeit gelas­sen. Dies hat alles dazu bei­getra­gen, dass ich eine schö­ne Zeit habe und das pro­duk­ti­ve Gefühl bekom­men wer­de, das Prak­ti­kum mit viel mehr prak­ti­schen Wis­sen zu been­den als ich es vor­her hat­te.