Porträt: Carsten Löcker (SPD) FORUM – Landtag intern

Wie kamen sie in die Poli­tik? Wo lie­gen ihre poli­ti­schen Schwer­punk­te? Land­tag Intern stellt in jeder Aus­ga­be Abge­ord­ne­te vor. Dies­mal im Por­trät: Cars­ten Löcker (SPD). Der 59-Jäh­ri­ge stammt aus dem Ruhr­ge­biet und ist ver­kehrs­po­li­ti­scher Spre­cher sei­ner Frak­ti­on. Schon sein Groß­va­ter war über­zeug­ter Gewerk­schaf­ter und Sozi­al­de­mo­krat. Löcker hat Aus­bil­dun­gen zum Koch und Berufs­kraft­fah­rer absol­viert. Bei den Ves­ti­schen Stra­ßen­bah­nen war er Betriebsrats­vorsitzender.

Alles ist anders. Man trifft sich zum Gespräch nicht in Cars­ten Löckers Land­tags­bü­ro oder sitzt sich im Foy­er beim Kaf­fee gegen­über. Man erreicht ihn zu Hau­se am Tele­fon, in Her-ten-Dis­teln. Der SPD-Abge­ord­ne­te hat sei­nen Akti­ons­ra­di­us ver­stärkt in den hei­mi­schen Wahl­kreis ver­la­gert. Video-Calls, Telefonkon­ferenzen – und die Ple­nar­sit­zun­gen in Düssel­dorf, an denen der­zeit weni­ger Abge­ord­ne­te als sonst teil­neh­men, ver­folgt er meist online. „Klappt ganz gut”, sagt er, „kann auf Dau­er aber nicht den per­sön­li­chen Kon­takt erset­zen.” Die Poli­tik in den Zei­ten von Coro­na.

Sonn­tags auf dem Sport­platz

Her­ten also. Als er dort auf­wächst, ist von Poli­tik in sei­nem Eltern­haus kaum die Rede. Dis­ku­tiert wird über Fuß­ball. Sein Vater kickt in den 50ern erfolg­reich in der Amateur­oberliga bei Blau-Weiß Lan­gen­bo­chum, sei­ne Mut­ter ist in den 60er-Jah­ren, als es der Frau­enfußball noch schwer hat, bereits eine sehr gute Mit­tel­stür­me­rin bei den Sport­freun­den Her­ten. „Klar war, sonn­tags ging man auf den Sport­platz”, erin­nert sich Löcker. Schal­ke 04 ist oft The­ma. Als Kind habe er zwei Schnul­ler im Mund gehabt, sagt der 59-Jäh­ri­ge, „einen königs­blau­en und einen roten”.

Für den roten sorgt sein Groß­va­ter. Er arbei­tet als „Püttro­lo­ge” (Berg­mann) auf der Zeche »Schlä­gel und Eisen”, ist über­zeug­ter Gewerk­schaf­ter und Sozi­al­de­mo­krat. Dem Enkel rät er früh, sich zu enga­gie­ren, wenn er etwas ändern wol­le, aller­dings nur unter einer Bedin­gung: „Du kannst alles machen, außer in die CDU zu gehen.” Noch ist der jun­ge Cars­ten nicht so weit, aber sein Opa trägt früh dazu bei, dass die SPD – so Löcker – „bis heu­te Teil mei­ner DNA ist”.

Leh­re als Koch

Nach der Fach­ober­schul­rei­fe folgt zunächst eine Leh­re als Koch. Er hat Inter­es­se an Le­bensmitteln, Sinn für gutes Essen. Die drei­jährige Aus­bil­dung ist auch sehr anstren­gend, erfor­dert viel Dis­zi­plin, oft dau­ern die Arbeits­tage in der Küche zwölf Stun­den und län­ger. „Man muss­te sich durch­bei­ßen”, erin­nert sich Löcker. Für ihn ist es gleich­wohl eine spannen­de Zeit, von der er anschlie­ßend als Zeit­sol­dat bei der Bun­des­wehr pro­fi­tiert. Dort lan­det er in der Ver­pfle­gungs­ver­wal­tung, küm­mert sich um die Ein­käu­fe, erstellt Spei­se­plä­ne. Vier Jah­re geht das so.

Dann die Zäsur. Cars­ten Löcker hat sei­ne Frau Petra ken­nen­ge­lernt, will eine Fami­lie grün­den. „Ich brauch­te eine ande­re Struk­tur”, sagt er, einen Beruf, der ver­läss­li­cher ist als das ver­gleichs­wei­se hek­ti­sche Dasein als Koch. 1987 geht er zu den Ves­ti­schen Straßen­bahnen, die gera­de Bus­fah­rer suchen, macht eine Aus­bil­dung zum Berufs­kraft­fah­rer. Die Bezah­lung ist gut, die Arbeits­zeit gere­gelt. Par­al­lel dazu begibt er sich auf die Spu­ren des Groß­va­ters, wird frei­ge­stell­ter Betriebs­rat, schließ­lich Vor­sit­zen­der. In die SPD ist er schon 1985 ein­ge­tre­ten.

1999 trägt ihn sei­ne loka­le Arbeit in den Her­te­ner Stadt­rat, dem er 20 Jah­re lang an­gehören wird, acht Jah­re als Frak­ti­ons­chef. Er erlebt und erlei­det den typi­schen All­tag eines Poli­ti­kers in der Emscher­zo­ne, und bei aller Lie­be zum Revier ist Cars­ten Löcker weit davon ent­fernt, das Ruhr­ge­biet zu ver­klä­ren. Finanz­lö­cher, weg­bre­chen­de Industriear­beitsplätze und eine schma­le wirt­schaft­li­che Sub­stanz setz­ten der einst pro­spe­rie­ren­den Kom­mu­ne bis heu­te zu. „Her­ten muss kämp­fen”, sagt er unum­wun­den, „wir leben von der Hand in den Mund.”

Löcker fin­det sein per­sön­li­ches Ein­satz­feld als ver­kehrs­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD im Land­tag, in den er 2012 gewählt wird. Er nennt es sei­ne „Para­de­dis­zi­plin”. Bei der ‚Nes­ti­schen” habe er mit­an­se­hen müs­sen, wie Infra­struk­tur über Jahr­zehn­te von Regie­run­gen jeder Cou­leur „kaputt­ge­spart” wor­den sei, zuguns­ten des Auto­bahn­baus. „Der Nah­ver­kehr war die Spar­dose, bis hin zum Ver­lust von Arbeits­plät­zen”, so Löcker, »davon hat er sich bis heu­te nicht erholt.” Das müs­se sich ändern.

Ende des Gesprächs. „Machen Sie’s gut, Herr Löcker!” Viel­leicht begeg­net man sich mal zufäl­lig, viel­leicht im Land­tag. Schüt­telt sich nach der Coro­na-Ära mal die Hän­de. Damit man sieht, wen man vor sich hat­te, damals am Tele­fon.

Theo Schutt­zacher

Zur Per­son

Cars­ten Löcker (59) war 14 Jah­re lang Chef der Her­te­ner SPD. Er wur­de zwei­mal direkt für den Wahl­kreis 70 (Her-ten/­Marl) in den Land­tag gewählt. Der Vater einer Toch­ter (29) ist Mit­glied im Ver­kehrs- und Umwelt­aus­schuss.

Nach­ge­fragt

Was ist Ihr Lieb­lings­buch und war­um?

Mei­ne Rei­se in die Welt der Gewür­ze”. Ge-

wür­ze sind das Leben.

Wel­che Musik hören Sie ger­ne?
Haupt­sa­che gewöhn­lich.

Was haben Sie immer in Ihrem Kühl­schrank vor­rä­tig?

7 Grad Cel­si­us. Mit­tel zum Leben brau­chen gesun­de Umge­bung.

Ihr liebs­tes Rei­se­ziel?

Ich wäh­le mei­ne Rei­se­zie­le nach dem Essen aus: Cui­sine improm­tue. Trou­vail­len vom Markt zu gutem Essen zusam­men­stel­len.